Wenn man die Medien der letzten Wochen zum Thema Spitalsmedizin durchsieht, dann fällt auf, dass es insbesondere in Wien gravierende Probleme im Spitalsbereich gibt: Gangbetten, abgehobene Führung, insuffizienter Ressourceneinsatz, Geldvernichtung, fehlende Wertschätzung, Arbeitsüberlastung. Um eine optimale Patientenversorgung gewährleisten zu können, muss das Spital der Zukunft auch als Arbeitgeber attraktiv bleiben bzw. werden.

Magnet Recognition als Schlüssel in eine bessere Struktur

Will ein Krankenhaus in Zukunft attraktiver Arbeitgeber sein, müssen sich grundlegende Dinge ändern. Wie das möglich ist, wird in den USA seit mehr als zehn Jahren erfolgreich gezeigt.

Dort wurde zur Bewertung von Struktur-und Qualitätskriterien in der Pflege der Begriff Magnet Recognition von der amerikanischen Vereinigung der Pflegekräfte eingeführt.

Mittlerweile ist Magnet ein Qualitätskriterium für die Attraktivität eines Krankenhauses in den Pflegeberufen. Bis zum Jahr 2020 sollen 80% der Pflegekräfte unter Magnet-Kriterien arbeiten.

Die Kernaussagen dieses Programmes sind:

  • Transformative Führung
  • strukturelles Empowerment
  • hervorragende Berufsbedingungen
  • Innovation und Entwicklung
  • empirische Ergebnismessung

Heruntergebrochen auf den ärztlichen Bereich bedeutet Magnet in den Spitälern Folgendes:

Flache Führungsstrukturen

Durch flache hierarchische Führungsstrukturen werden Innovationen und Ideen von Mitarbeitern zur Weiterentwicklung des eigenen Arbeitsplatzes positiv aufgenommen und dem jeweiligen Individuum Wertschätzung entgegengebracht. Dies ist ein zentraler Ansatz für jungen Kolleginnen und Kollegen aus der Generation Y.

Optimaler Informationsfluss in den Führungsstrukturen

Die im Sinne der konstruktiven Kritik geäußerten Ideen und Vorschläge werden nicht durch hierarchische Schritte behindert, sondern im Sinne der Weiterentwicklung der Organisationseinheit positiv beurteilt und einer breiten aber effizienten Diskussion zugeführt. Damit können sich Entscheidungsprozesse verkürzen und deren Akzeptanz massiv gesteigert werden. Auch hier spielt die Wertschätzung des einzelnen Mitarbeiters eine wesentliche Rolle.

Optimale berufliche Rahmenbedingungen

Ärztinnen und Ärzte in Magnetkrankenhäusern finden für die Ausübung ihres Berufes optimale Rahmenbedingungen. Nicht nur die Struktur der Arbeitsräume, sondern auch die Ablaufplanung lässt Raum und Zeit für interprofessionelle Besprechungen und ein multidisziplinäres Patientenmanagement zu. Die Arbeitszeit und Dienstplanung nimmt Rücksicht auf die persönlichen Bedürfnisse des jeweiligen Mitarbeiters. Die Personalplanung sieht nicht nur die Kernaufgabe in der Patientenversorgung, sondern plant auch Zeitressourcen für die Qualitätsarbeit und Weiterentwicklung der Einheit vor. Eine Selbstverständlichkeit ist die Unterstützung bei der gesetzlich vorgeschriebenen Fortbildung.

Innovation und Entwicklung

Magnetkrankenhäuser nehmen aktiv an der Weiterentwicklung von Ablaufoptimierungen teil, entwickeln eigene spezifische Prozeduren und setzen Leitlinien in den eigenen Organisationsstrukturen um. Dazu ist ein interprofessioneller Ansatz zwingend vorzusehen, um einen effizienten patientenorientierten Behandlungslauf zu ermöglichen. In der Personalplanung werden auch hierfür Zeitressourcen mit geplant.

Ergebnismessung

Magnetkrankenhäuser haben transparente Systeme zur Qualitätsmessung etabliert. Dies gilt sowohl im eigenen Mitarbeiterbereich wie auch in der Außenwirkung der Organisationseinheit. Im Besonderen überprüfen Magnetkrankenhäuser ihre Gesamtwirkung auf die Patienten, die sich in solchen Institutionen in Behandlung begeben. Im Sinne eines funktionierenden Qualitätszyklus werden in Magnetkrankenhäusern laufende Nachbesserungen bei sich ergebenden Problemen rasch und unkompliziert umgesetzt.

Die Vision für die Zukunft des Krankenhauses ist das Magnetkrankenhaus

Die Arbeit in Krankenhäusern muss für die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte auf der einen Seite fachlich zufriedenstellend, sowie in der Tätigkeit Sinn erfüllend sein. Zudem sind Magnetkrankenhäuser in der Lage, eine Corporate Identity zu schaffen, die von allen Professionen mitgetragen wird.

 

Eiko Meister, Die Weis[s]e Wirtschaft