Für eine Koalition der Vernünftigen

Kriegsflüchtlingen und von Terror Vertriebenen ist das Recht auf Asyl zu gewähren, außerdem braucht Europa eine gewisse Einwanderung, um sein Wirtschafts- und Sozialsystem aufrechterhalten zu können. Beides freilich nur in einem zu definierenden Ausmaß, das nach der großen Flüchtlingswelle bald erreicht zu sein scheint. Österreich hat sich in der Aufnahme und Grundversorgung der Flüchtlinge bis jetzt humanitär vorbildhaft verhalten, jetzt muß es um die rasche Integration aller bereits im Land lebenden Migranten gehen.

Natürlich gibt es keine einfachen Lösungen in dieser Krise, die sich mangels durchsetzbarer Lösungsstrategien längst zu einer Legitimationskrise der EU ausgewachsen hat. Das Problem ließe sich aber auch nicht einmal durch einen Eisernen Vorhang, den sich selbsternannte Heimatschützer nun zurückwünschen, aus der Welt schaffen. Angesichts der grassierenden aggressiven Hetze vor allem in Internet-Foren und an Stammtischen ist spätestens jetzt eine nationale Kraftanstrengung einer Koalition der Vernünftigen erforderlich, die humanitäre Pflichten mit wirtschaftlich sinnvoller Integration verbindet.

Das Integrationspaket, dessen Mittel sehr gut investiert sind, sieht für Asylwerber bzw. Migranten Deutsch-Sprachkurse, Schulbesuch, Zugang zu Lehrplätzen, Anerkennung von Ausbildungen, Nachqualifizierungen, Arbeitstrainings und die Vermittlung von hierzulange geltenden Werten, Recht und Kultur vor. Gerade der hohe Anteil an jüngeren Menschen unter den Flüchtlingen legt eine rasche Ausbildung zur Erwerbsintegration nahe.

Es können auch gar nicht die Kosten wegen der Flüchtlinge sein, die für Kritik und Empörung sorgen. Denn die Mehrkosten für Grundversorgung und Integration entsprechen nicht einmal einem Bruchteil von diversen Verschwendungsfällen (Beispiel Hypo, etc.), nur mit dem Unterschied, dass man dabei auch in menschliche Ressourcen investieren könnte, was angesichts der Überalterung unserer Gesellschaften ja nicht unsinnig wäre.

Dass Flüchtlinge und Migranten einheimischen Arbeitslosen die Jobs wegnehmen, ist von Ökonomen auch schon längst widerlegt. Nicht ohne Grund fordert die Wirtschaft vehement, dass Flüchtlinge viel schneller Zugang zum Arbeitsmarkt haben sollten, um freie Stellen besetzen zu können. Denkbar sollte auch eine Verpflichtung zu gemeinnütziger Arbeit sein, für die sich offenbar keine Österreicher finden. Weil mit jeder Ausbildung oder Arbeit jedenfalls auch die Integration von Flüchtlingen beschleunigt und mit einem selbst verdienten Lebensunterhalt nicht nur die Sozialkassen entlastet, sondern auch neue Beitragszahler nachwachsen, könnte aus dieser Krise vielleicht doch auch eine Chance für alle Seiten entstehen.

(Kleine Zeitung, 23.1.2016)