Vor einigen Wochen titelten zwei Qualitätsmedien über verschärfte Einreisebestimmungen in die USA „… für Österreicher“ und „… für Touristen“. Beide Schlagzeilen waren nicht falsch: Die USA verschärfen die Einreisebedingungen für Reisende (maximale Aufenthaltsdauer 90 Tage) aus jenen 38 Staaten, die von der Visumpflicht befreit sind. Die Wortwahl ist auch medienlogisch: Eine Verschärfung für „Österreicher" erregt in Österreich mehr Aufmerksamkeit als eine Verschärfung, für die ebenfalls betroffenen Australier, Japaner oder Monegassen. Und „Touristen“ betrifft mehr Leser als „Teilnehmer an einem nuklearmedizinischen Kongress“. Aber es entsteht ein verzerrtes Bild.

In nervösen Zeiten wäre wünschenswert, dass Medien, Blogger und andere sich öffentlich Äußernde das mit Genauigkeit tun. Natürlich tut es weh, auf eine hübsche Pointe zu Gunsten der Nüchternheit zu verzichten. „Mikl-Leitner will Meldepflicht für Jihadisten“ (Online-Ausgabe eines Qualitätsmediums) war eine Lachnummer. Aber vielleicht wollte die Innenministerin ja das sagen, was in der Print-Ausgabe desselben Mediums zu lesen war, nämlich „… Meldepflicht für Syrien-Heimkehrer“.

Johannes Tandl vom steirischen Politik-Magazin FAZIT hat kürzlich erst den Facebook-Anreißer des Online-Handelsblatts „US-Präsidentschaftswahl 2016: Guttenberg zeigt Sympathie für ‚Großkotz‘ Trump“ mit dem Satz „Wenn der Onlineredakteur den Artikel nicht gelesen hat, kommt so eine Headline heraus …“ kritisiert, weil im Artikel der ehemalige deutsche Minister gar keine Sympathie für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten erkennen lässt, sondern nur das Phänomen erklärt. Im Artikel selbst (auf Handelsblatt Online) lautet die Schlagzeile ach völlig richtig „Guttenberg erklärt die Faszination an ‚Großkotz‘ Trump“. Vielleicht stimmt ja Tandls Vermutung, vielleicht hat sich der Online-Redakteur aber auch gedacht, dass er mit der „Sympathie“ auf mehr Klicks kommt. Womit er wohl richtig lag – sozusagen unter dem Motto “Konversion statt Präzision“.

Was mich an innenpolitischen Debatte wundert, ist, wie wenig Themen in internationalen Kontext gestellt werden“ klagte Michael Jungwirth, stv. Ressortleiter Politik der Kleinen Zeitung, auf Twitter.

Mich wundert das nicht, ich beklage es aber auch. Man könnte den Satz durchaus generalisieren: Themen werden überhaupt wenig in einen Kontext gestellt.

 

Martin Novak war viele Jahre Journalist, darunter auch Gerichtsberichterstatter. Seit mehr als 20 Jahren ist er Kommunikations- und PR-Berater in Graz.